Natur-Mentoring

Wanderer

Das Wissen der Wildnis

Derzeit formiert sich im deutschprachigen Raum unter dem Begriff Wildnispädagogik eine alternative Lehr- und Lernform und möchte so einen eigenständigen Bereich in der Umweltbildung benennen. Deutlich unterscheidet sich Wildnispädagogik sowohl hinsichtlich ihrer spezifischen Inhalte als auch hinsichtlich der entwickelten Lehr- und Lernformen von anderen natur- und umweltpädagogischen Strömungen.

Die Basis der Wildnispädagogik liegt im Wissen der Wildnis, in der Weisheit alter Kulturen und Völker, die in intensiver Verbindung zur Natur gelebt haben oder noch leben. Die Wurzeln befinden sich in der Natur selbst. In der im Außen und Innen beobachtbaren und wahrnehmbaren Existenz des ursprünglichen Seins und Selbst. Im Gewahrsein natürlicher Kreisläufe und des lebendigen Netzwerkes auf, in und um unsere Heimat Erde.

Die Weisheit, welche der Wildnispädagogik zu Grunde ist vielleicht völlig un-pädagogisch. Sie ist mit wissenschaftlichen Methodiken nicht fassbar. Pädagogik ist laut Wikipedia die Bezeichnungen für die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Theorie und Praxis von Bildung und Erziehung auseinandersetzt. Die Wurzeln unseres Wachsens und Lernens haben wohl wenig mit Bildung wie wir sie heute gemein hin verstehen und schon gar nichts mit Erziehung zu tun. Die Entfaltung der Potentiale unseres Wesens als Individuum im Kreise einer Gemeinschaft entsteht in seinem vollem Licht durch Natur – Mentoring.

Die Quelle für das Wissen der Wildnis liegt in den überlieferten Weisheiten und Mentoring-Werkzeugen aus untergegangenen oder den wenigen noch existierenden Naturvölkern. Diese Auseinandersetzung mit deren Lebensweise, ihrer Weltsicht, ihrer Kultur und ihrem Handwerk sowie ihrem Verhältnis zur Natur, leitet zu den wesentliche Inhalten des Wildniswissens, wie wir es in unserer Wildnisschule weitergeben.

Im Laufe unseres Kultivierungs- und Zivilisierungsprozesses ist einem Großteil der Menscheit die Natur fremd geworden – wir verstehen sie nur noch rudimentär, mehr noch: vor Wildnis haben wir Angst!

Genau dort liegt einer unserer Ansatzpunkte: dem Menschen von heute soll und kann ein Zugang zur Natur wieder geöffnet werden. Im Wissen der Wildnis liegen kraftvolle Techniken und Fähigkeiten, die es ermöglichen, sich draußen wohl und in der Natur wieder einheimisch zu fühlen, sich selbst wieder mit der Natur zu verbinden und auf eine ganzheitliche Art und Weise in die Kreisläufe der Schöpfung einzutauchen. Werkzeuge, die helfen, den Menschen bei ihren Erfahrungen in und mit der Natur zu begleiten und sie bei der Beziehungsaufnahme zur äußeren und inneren Wildnis zu unterstützen.

Erlebnisse in der Wildnis und die Begegnung mit der Natur tragen zu einer Wiederentdeckung der vollen Sinnlichkeit bei und dadurch zu einer Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit. Erfahrungen also, die einen Ausgleich darstellen, zu unserer modernen, durch Hast, Anonymität und Entfremdung geprägten Lebensweise. Psychologische und Neurologische Studien bestätigen die große Bedeutung, die eine sinnliche und emotionale Beziehung zu Natur – und dem Lebendigen im allgemeinen – bei der Entwicklung von unserem Denken, Fühlen und Handeln spielt.

Ein übergreifendes Ziel ist die Förderung von Achtsamkeit gegenüber dem Leben, einem Verständnis für die komplexen Zusammenhänge in den ökologischen Systemen und das Entwickeln einer emotionalen Verbundenheit, durch die zwischen Mensch und Natur, aber auch zwischen Mensch und Mensch Einklang erreicht wird. Die Tiefe der Natur-Verbundenheit und das bedeutungsvolle Eingebundensein fördern einen nachhaltigen Lebensstil, denn Einklang mit der Natur bedeutet das Bedenken von Nachhaltigkeit.

Das Wissen der Wildnis und Natur-Mentoring wendet sie sich unabhängig von großen Nationalpark- und Naturschutz-Projekten direkt an die fließenden Übergänge zwischen Zivilisation, Kulturland und Wildnis. Denn jede naturnahe Landschaft bietet Unmittelbares, Wildes und Anregendes an. Es geht auch darum, wieder die „kleine Wildnis“ zu entdecken, die einen vor jeder Haustür erwartet.

Natur-Mentoring

Natur-Mentoring ist ein in den USA entwickeltes, ganzheitliches Lehrsystem, das sich an natürlichen Zyklen orientiert. Dabei wird ein Umfeld zur Förderung bedeutungsvoller Beziehungen zum eigenen Lebensraum und seinen Bewohnern geschaffen. Dies geschieht über die fünf Sinne, durch „innere Prozesse“, Kreativität und Intuition. Am Ende soll die Erfahrung stehen, als Individuum in der Gesellschaft sowie darüber hinaus in der gesamten Natur geborgen zu sein.

Naturmentoring bezieht sich zu großen Teilen auf die Zeit der Jäger und Sammler, einer Zeit, in der sich das Leben im Wesentlichen in der natürlichen Umgebung abspielte. Unsere Vorfahren waren darauf angewiesen, ihr komplexes Wissen über ihre Umwelt effizient weiter zu geben. Sie taten dies ohne Institutionen wie Schulen oder Bildungszentren auf intuitive Art und Weise.

Die Kunst des Mentoring mit all seinen Techniken, Praktiken und Geschichten ist ein dynamisches System, das uns hilft, die Aufgaben und vielfältigen Möglichkeiten des Mentors wahrzunehmen und im täglichen Umfeld umzusetzen. Denn die Rolle des Mentors ist wohl mehr mit der eines Beraters, Betreuers oder Begleiters zu vergleichen, der Ideen und Handlungen so inszeniert, dass die „Schüler“ lernen ohne es augenscheinlich zu bemerken. Es wird versucht, solch kraftvolle Lernerlebnisse zu kreieren, bei denen es demjenigen oft erst viel später dämmert, was er in bestimmten Situationen alles erlebt und mitgenommen hat. Diese intensive Beziehung geht weit über das Verständnis, die Verantwortung und die Möglichkeiten der klassischen Lehrer/Schüler-Beziehung hinaus.

Zusammengefasst ist das Ziel des Naturmentoring die Bildung bedeutungsvoller Beziehungen eines Individuums zu seiner Umwelt, seinen Mitmenschen und sich selbst. Durch das Zusammenkommen von Individuen entsteht bewußt und unbewusst eine Kultur. Das Konzept des Naturmentoring zielt in erster Linie darauf ab, bewusste Teilnahme an einer lebenstüchtigen, zumindest nachhaltigen oder besser regenerativen Kultur zu fördern.

Zu diesem Zweck unterstützt Naturmentoring die Entwicklung von Neugier, Kreativität, Kommunikation und Aufmerksamkeit. Umweltpsychologen beginnen gerade Zusammenhänge zu entdecken, die für Naturvölker selbstverständlich waren: das Eintauchen in die natürliche Welt bringt lebensbereichernde Freude, Frieden und die Fähigkeit den Herausforderungen des Lebens mit einer positiven Haltung entgegen zu treten. Es ermöglicht zu sehen wie alles zusammenhängt. Die externe Wahrnehmung, die durch Verbindung mit der Natur entwickelt wird, führt demnach häufig zu Veränderungen der internen Wahrnehmung, die Menschen dazu bringen Entscheidungen über ihren Lebensstil und Lebensstandard zu treffen, die notwendig sind um ihren eigenen Ökologischen Fußabdruck, den ihrer Familien und ihrer Gemeinden zu hinterlassen.

Es gibt einen Unterschied ob wir ÜBER die Natur lernen, oder ob wir uns MIT der Natur verbinden. Über die Natur kann auf einer rein intellektuellen Ebene gelernt werden. Dies kann durch Lesen oder in einem Labor passieren, ohne dass man auch nur ein einziges Mal raus in den Wald oder auf die Wiesen muss. Mit Sicherheit ist diese intellektuelle Ebene des Lernens wichtig und Naturmentoring beinhaltet sie, als einen Teil ganzheitlicher Verbindung zur Umwelt. Zudem wird im Naturmentoring noch ein anderer Weg benutzt, um etwas über die Natur zu erfahren – direkte, sinnliche Erfahrungen in der Natur. Wenn diese Form von Begegnungen Tag für Tag wiederholt wird, entstehen starke Beziehungen zwischen dem Individuum und seiner Umwelt.