von Martin Fürst,

Warum plustern sich Vögel auf?

Unsere kleinen Freunde haben ein faszinierendes High-Tech-Feature an Board, mit dem sie der Kälte trotzen. Warum es trotzdem eng wird und wie wir sie dabei unterstützen können erfährst du in diesem Artikel!

 

Hustinettenbär

Umgangssprachlich wird der Begriff Aufplustern ja für Menschen angewandt, sie sich wichtig machen - also größer erscheinen (möchten), als sie eigentlich sind. Kein Wunder, dass dieser Begriff aus der Ornithologie, der Vogelkunde, auch in unseren Sprachgebrauch Einzug gefunden hat.
 
Aber dazu später ...
 

Er ist gekommen um zu bleiben

Gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, macht es sich, unwiderruflich und deutlich, mit allen Sinnen wahrnehmbaren Zeichen setzend, der Winter im Land der 1000 Hügel gemütlich.
 
Die beste Zeit, um Vögel bei mir im Garten zu beobachten. Warum?
 
Weil keine Blätter auf den Obstbäumen sind, und man so viel leichter der Faszination der Emsigkeit der dagebliebenen Standvögel und Teilzieher erliegen kann.
 
Und die Anzahl der zu erkennenden Arten ist auch überschaubarer. So um die 30 Arten und mehr tummeln sich aber immer noch in den Wiesen, Wäldern und Gärten meiner Heimat.
 

Unruheherd braucht Pause

Aber nicht immer flitzen die bewundernswerten Racker durch die lichten Kronen und das nicht mehr so schützenden Unterholz.
 
Nahrungssuche steht nun zwar als reiner Selbsterhaltungstrieb an oberster Stelle, denn die penetranten Bettelrufe des Nachwuchses hallen nur mehr durch die Erinnerung.
 
Kaum setzen sich die Gefiederten zur Ruhe und pflegen mit Bürzelfett und Schnabel ihr Gefieder, knabbern auch schon tiefe Temperaturen und eisige Winde an den Energiereserven.
 

High Tech Feature

Um hier der Unterkühlung entgegenzuwirken haben Vögel einen Mechanismus entwickelt, der sie zuverlässig schützt - das Aufplustern.
 
Dabei werden normalerweise dem Körper anliegende Federn durch in der Lederhaut befindliche Federmuskeln aufgerichtet und vom Körper abgepreizt. So entsteht diese, nach aussen deutlich größer wirkende Erscheinungsform des ruhenden Vogels.
 
Diese über die sogenannten Herbstkörperchen, eine Art mechanische Nervenrezeptoren, gesteuerte Körperreaktion, wird aber nicht nur bei tiefen Temperaturen, sondern auch bei Balz- und Territorialverhalten eingesetzt, um, wie beim Menschenvergleich zu Beginn, größer zu erscheinen.
 
Was nun aber durch dieses Aufplustern entsteht, ist eine, in den feinen Daunen befindliche, ruhende Luftschicht, welche effektiv die Wärmeabgabe über Konvektion verringert.
 

Auf des Messers Schneide

Das funktioniert ganz wunderbar, aber braucht seine Zeit.
 
Weshalb es in Phasen von langanhaltender, klirrender Kälte wichtig ist, dass wir Menschen kleine Vögelchen, deren Energie-Balance in diesen Survival-Situationen am Limit ist, nicht unnötig stören und zum Auffliegen und damit Zerstören des schützenden Luftpolsters bringen.
 

Du hast ´nen Vogel ... irgendwie

Übrigens auch du hast so eine ähnliche Reaktion auf Lager - deine Gänsehaut oder die Haare, die es dir im Nacken aufstellt. Manche sagen, dass das noch ein Relikt ist aus der Zeit, als wir Menschen ein durchgehendes Fell trugen.
 

Eins noch

Bleibt nur noch die Frage: haben Singvögel kalte Beine? Warum frieren die nicht ab?

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 5 und 7?