von Martin Fürst,

Und das sollen gute Spurenlesebücher sein?

Spurenlesen ist meine Leidenschaft. Du möchtest es auch erlernen? Dann brauchst du mindestens ein gutes Spurenlesebuch. Ich kenne sie alle. Und für dich habe ich sie dem knallharten Nawisho-Test unterzogen. Was taugen die drei günstigsten Spurenlese-Bücher?

Ich habe insgesamt 9 Spurenlesebücher, die Anfang 2016 am deutsprachigen Markt erhältlich sind, einem intensiven Test und einer knallharten Bewertung unterzogen. Diese 9 Bücher habe ich wegen der umfangreichen Rezensionen in drei Gruppen eingeteilt:

  • Günstig, um die 10,- EUR
  • Mittelpreisig, um die 15,- EUR
  • Hochpreisig, ab 20,- EUR

In diesem Blog bewerte ich die 3 günstigsten Testkandidaten.

Und das sollen gute Spurenlese-Bücher sein?

Spurenlesebücher der Einsteigerklasse

Los geht´s !

Tierspuren und Fährten

Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
Verlag: Bassermann Verlag; Auflage: 3 (24. August 2012)
ISBN-10: 3809429988
Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 2,5 x 20,3 cm

Preis: 9,90 EUR

http://amzn.to/1SHehhR

Was das Buch verspricht:

Tierspuren und Fährten, Inhaltsverzeichnis

Der Titel „Tierspuren und Fährten“ lässt einiges an Trittsiegeln vermuten, das Sujet für das Cover jedoch zeigt viele Zeichen und Hinterlassenschaften der Tier in Wald und Wiese - aber kein einziges Trittsiegel ….

"Die über 1500 detailgetreuen, künstlerisch hervorragenden Farbzeichnungen in diesem Buch ermöglichen das sichere Erkennen und Bestimmen von Tierspuren, Fährten und anderen Zeichen ihrer Anwesenheit."

"Bei der Artenauswahl haben wir uns ausdrücklich nicht an der üblichen Palette orientiert, sondern auch bisher selten oder gar nicht dargestellte Tierzeichen aufgenommen."

Trittsiegel - Pfoten/Hufe - Entstehung einer Spur bzw. Fährte

Das Buch bietet keinerlei Einleitung. Unterschiede Pfote/Hufe und Fußstellungen wie Zehen-/Sohlengänger findet man nicht. Ein Hinweis wie man Trittsiegel korrekt abmisst und wie da das Buch vorgeht ist nicht vorhanden.

Gangarten

Ein Kapitel mit den unterschiedlichen Gangarten und wie sie sich im Spurbild zeigen ist nicht vorhanden. Auch nicht wie Vorderfuß und Hinterfuß im Setting zu finden und unterscheiden ist wird nicht erwähnt. Vereinzelt werden bei den einzelnen Arten auch mal 2 oder 3 unterschiedliche Gangarten aufgezeichnet und erwähnt.

Gebrauch des Buches / Abmessen der Trittsiegel und Settings

Keine Erklärung wie man Spuren misst bzw. wie das Buch dies tut. Ob mit Krallen oder ohne etc. Keine Erklärung wie es die Schrittlänge misst, was Schränkung ist bzw. unterschiedliche Markierungs-Farben von Hinterfuß und Vorderfuß …

Übersichtliche Abildungen der Pfoten/Hufe

Nicht zu finden

 

Einzelne Arten

Tierspuren und Fährten, Tierarten

Pro Seite finden sich jeweils zwei Arten, die aufrecht der Länge nach Platz finden. Allen Beschreibungen gleich ist eine längliche Zeichnung, so als ob eine Szene aus einer längliche Spurenleser-Sandbox abgezeichnet wurde. Meist findet sich so die Hauptgangart, manchmal auch noch die eine oder andere weitere. 

Auch angeführt ist die Länge eines Trittsiegels, meist des größeren, selten das Vorder- und Hinterfuß mit Längen versehen sind.

Die Zeichnungen sind sehr schön ausgeführt und es wird versucht, auch die Vertiefungen wie zum Beispiel von Ballen darzustellen – dies gelingt meines Erachtens nach sehr gut. Allerdings fehlt ein Hinweis darauf, welche Teile des Trittsiegels man auch tatsächlich im Regelfall zu sehen bekommt – was meist deutlich weniger ist, als in der idealisierten Darstellung.

Unterhalb dieser Sandbox findet sich der Name der Art, manchmal eine Gangart und ein Pfeil zu einer Seitenzahl.

Geht man zu dieser Seitenzahl in der Hoffnung auf weitere Hinweise was das Spurenbild angeht, wird man allerdings bitter enttäuscht. Im ausgesprochen umfangreichen Anhang findet man Textblöcke zu den einzelnen Spezies, welche aber im Stile eines Zoologie-Führers auf Größe und Gewicht des Individuums und seinen Habitus etc eingehen – aber überhaupt nicht mehr auf Trittsiegel, Fährten etc. 

Kuriosa

wäre mir nichts aufgefallen … aber Rosaflamingo und Wisent – ok, es gibt sie in Europa, beide schon gespottet und getrackt, aber schon selten ;-)

Artenumfang Trittsiegel

Säugetiere:

Igel, Maulwurf, Spitzmaus, Fledermaus, Wühlmaus, Langschwanzmaus, Wanderrattem Bisamratte, Biber, Feldhamster, Alpenmurmeltier, Eichhörnchen, Kaninchen, Feldhase (hier ist kein Unterschiede angemerkt), Hermelin, Ilits, Steinmarder, Baummarder, Fischotter, Dachs, Waschbär, Braunbär, Rotfuchs, Haushund, Wolf (Unterscheidung der letzen drei inklusive!) Hauskatze, Wildkatze, Luchs, Seehund, Wisent, Elch, Ren, Rothirsch (hier finden sich mehr Gangarten), Wildschwein (sehr anschaulich betreffend Afterklauen), Damhirsch, Reh (bekommt auch mehr Platz), Mufflon, Gemse, Steinbock, Hausschaf

Vögel: 

Graureiher, Weisstorch, Kranich, Großtrappe, Flamingo, Schwan, Graugans, Stockente, Tauchentem Schwimmente, Lachmöwe, Brachvogel, Regenpfeifer, Bläßralle, Rebhuhn, Fasan, Ringeltaube, Fischadler, Auerhuhn, Alpenschneehuhn, Birkhuhn, Kolkrabe, Rabenkrähe, Elster, Saatkrähe, Amsel, Bachstelze, Haussperling

Seitenverhältnis der Hauptinhalte

  • Erklärungen, Überichten: 0 Seiten
  • Säugetier-Spuren: 28 Seiten
  • Vogelspuren: 10 Seiten
  • Fraßspuren alle: 28 Seiten
  • Gewölle: 8 Seiten
  • Losungen: 12 Seiten
  • Baue und Nester: 20 Seiten
  • Textteil: unglaubliche 115 Seiten (!!!)

Wildwechsel, Pässe, etc.

Auf 12 Seiten findet man diesbezüglich wieder längliche Zeichnungen, allesamt sehr liebevoll dargestellt. Weitere Erklärungen finden sich zumeist auch in den Beschriebungen im hinteren Buchteil nicht.

Eine nette Ergänzung hierzu ist der Teil mit den Reviermarkierungen. Auch findet sich wo die Duftdrüsen bei manchen Tieren sitzen und wie unterschiedlich Männchen und Weibchen urinieren/markieren.

Fraßspuren

Keine Fotos, alles gezeichnet – und das sieht sehr sehr gut aus! Kompliment – toll gemacht!

Der Umfang ist toll, von Käfern und anderen Insekten, bis hin zu Vögeln und Säugetieren. Sehr umfangreich und auf die Essenz hingezeichnet. Leider keine weiteren Beschreibungen trotz Mega-Textteil.

Kot und Gewölle

Gewölle: ebenfalls sehr schön gezeichnet, auch wenn ich mir hier nicht ganz sicher bin, ob mir nicht doch Bilder besser gefallen. Jedenfalls fehlt wieder entscheidendes: die Größenangabe!

Kot: Fantastisch gezeichnet, bei Reh und Hirsch sogar mit Sommer- und Wintervarianten. Aber keine Größenangaben. Na geh ….

Anmerken möchte ich noch, dass es ein kurzes Kapitel gibt, wo diverse Tierschädel abgebildet sind. Auch diese sind gut gezeichnet, oft aber zu klein, um tatsächlich Details erkennen zu können. Auch fehlen Hinweise auf die ausschlaggebenden Hinweise und … die Größenangabe!

Baue, Nester, Verstecke

Oh Überraschung, wieder sehr ansprechend gezeichnet – ein netter kurzer Einblick – zum Beispiel dass der Hase in der Sasse ruht und das Kaninchen in Bauten. Vogelnester kommen auch unglaublich viele vor. Respekt! Damit hab ich echt nicht gerechnet. Aber hier kommen mir wie bei den Gewöllen Zweifel auf, ob nicht ein Foto einen besseren Wiedererkennungseffekt zulässt.

Weitere Spuren

Frösche, Kröten, Florfliegen, Spinnen, Baumschwämme, Regenwürmer, etc. – eine große Vielfalt an weiteren Tierarten ist verewigt – mit ansprechenden Bildern und ein wenig Text im hinteren Teil.

Begriffserklärung

nicht vorhanden

Fazit

Tierspuren und Fährten, Tierarten

Das Cover gaukelt einem nix vor. Es ist tatsächlich nur ein geringer Teil des Buches konkret auf Trittsiegel und Fährten fokussiert. Den Löwenanteil nehmen andere Spuren und Zeichen ein.

Nehmen wir den Spurenlese-Teil heraus, muss man auch hier sagen: no chance! Jemand der zum ersten Mal hochmotiviert hier ein Spurenrätsel draussen lösen will, wird jämmerlich scheitern. Zu dürftig sind die Infos, ja sogar die Grundsätze. Hier ist Frust vorprogrammiert. Und dieser wird dann noch gesteigert, wenn man im vorderen Buchteil einen eventuellen Treffer gelandet hat und nun über den Pfeil zur angegebenen Seitenzahl blättert, um dann dort … ein paar Zeilen zu finden, wo über die Merkmale des Tieres generell geschrieben wird – keine weiteren spurenlesetechnisch relevanten Hinweise mehr …. eine riesige Enttäuschung.

Wo das Buch allerdings glänzt, ist die gewaltige Vielfalt an Zeichnungen anderer Spuren und Szenarien. Dies lädt sehr zum Schmökern udn Staunen ein. Und ist sicherlich ein toller Begleiter, der einem hilft die Augen und dann den Mund vor lauter Staunen zu öffenen.

Der meines Erachtens viel zu große Textteil, ist für den einen oder anderen vielleicht von Interesse – ich denke da an Kinder – für mich ist und bleibt es eine vertane Möglichkeit.

Tierspuren: Erkennen & Bestimmen

Broschiert: 192 Seiten
Verlag: Verlag Eugen Ulmer; Auflage: 1 (31. Juli 2006)
ISBN-10: 3800148919
Größe und/oder Gewicht: 11,8 x 1,3 x 18,2 cm

Preis: 9,90 EUR

http://amzn.to/1S5YwRY

Was das Buch verspricht:

Tierspuren, Inhaltsverzeichnis

Titel „Tierspuren“ mit einem Eichhörnchen und drei unterschiedlichen Fährten am Cover

„Über 200 Fußabdrücke, Nester, Fraßspuren, Kratz- und Kampfspuren, sowie Hinterlassenschaften.“

„Mehr als 290 Farbfotos und 70 Zeichnungen zur sicheren und schnellen Bestimmung.“

„Wir sogenannte Zivilisierte werden kaum die Perfektion dieser Fährtensucher erreichen. Dennoch können wir unser Naturerlebnis auf Spaziergängen und im Urlaub bereichern, wenn wir lernen aus Tierspuren zu lesen. Das Buch liefert hierzu eine Hilfe.“

„Spurentypen, die man in Mitteleuropa wie in mitteleuropäischen Urlaubsländern treffen kann“

Trittsiegel, Pfoten/Hufe, Entstehung einer Spur bzw. Fährte

Sohlen- und Zehengänger bzw. Paar- und Unpaarhufer in ein paar Zeilen erwähnt, aber keine Bilder oder Skizzen, die das veranschaulichen. Keine Hinweise darauf, wie man ein Trittsiegel abmisst bzw. welche Abmessungsmethode in dem Buch angewandt wird.

Gangarten

Werden gleich eingangs komprimiert erwähnt. Sehr schöne Skizze mit Hasengalopp und wie dabei die einzelnen Abdrücke enstehen. Ebenso anhand eines Marders. Es finden sich bei beiden Zeichnungen die Vorder- und Hinterlauf-Abdrücke mit unterschiedlichen Farben wieder – allerdings nur hier und sonst nicht mehr im ganzen Buch! Auch auf der als Übersicht gedachten Doppelseite mit einigen Gangarten verschiedener Tiere.

Gebrauch des Buches, Abmessen der Trittsiegel und Settings

Keine Erklärung wie man Spuren misst bzw. wie das Buch dies tut. Ob mit Krallen oder ohne etc. Keine Erklärung wie die die Schrittlänge misst, was Schränkung ist bzw. unterschiedliche Markierungs-Farben von Hinterfuß und Vorderfuß ….

Übersichtliche Abbildungen der Pfoten/Hufe

Tierspuren, Abbildung von Pfoten und Hufen

Auf jeweils einer Doppelseite (zu Beginn des Buches für Säugetiere, ein Stk. weiter hinten für Vögel) finden sich sehr schöne, gezeichnete Fußabdrücke. Mit dabei ist auch ein kleiner Maßstab der „1 cm“ anzeigt – das ist gut und wichtig so, allerdings hat man versucht den Platz zu nutzen und viele Pfoten/Hufe/Tritte auf die Doppelseite zu pferchen – was bedeutet, dass alles recht klein ist und nur andeutungsweise Rückschlüsse auf die tatsächliche Größe zulässt. Auch fehlt ein Hinweis was man im Allgemeinen wirklich in der Spur sieht von so einem Fuß …. Bei den einzelnen Säugetierarten ist keine Abdrucksskizze mehr zu finden, bei den Vogelspuren schon immer wieder.

Einzelne Arten

Tierspuren, Tierarten

Auf der linken Seite Text und rechts Fotografien dazu, manchmal eines, selten 2. Es befinden sich in der Regel 2 bis 3 Arten pro Seite wieder, was natürlich heisst, daß nicht sonderlich viel Text möglich ist. Beim Marder werden Zwei- und Dreisprung erwähnt, auch Bilder finden sich, aber was nun was ist und warum erklärt man nicht. Die Bilderwahl finde ich hingegen sehr gut – für das was an Platz vorhanden ist. Ausnahmen wie völlig aussagelose Pics beim Wildschwein sind selten.

Kuriosa

Mitteleuropäische Arten sollen in dem Buch sein. Aber auch der Eisbär ….

Artenumfang Trittsiegel

Säugetiere:

Fuchs, Dachs, Steinmarder, Baummarder, Iltis, Hermelin, Hund (kein Hinweis aus Unterscheidungsmerkmal zu Fuchs), Wolf, Hauskatze, Wildkatze, Luchs, Braunbär, Eisbär (LOL), Waschbär, Murmeltier, Eichhörnchen, Wanderratte, Bisamratte, Maus (welche?), Fischotter, Hase, Biber, Wildkaninchen, Wildschwein, Hausschwein, Steinbock, Reh, Rothirsch, Reh, Gämse

Vögel: 

Amsel, Buchfink, Feldlerche, Weisstorch, Graureiher, Graugans, Kiebitz, Blässhuhn, Grosstrappe, Auerhuhn, Birkhuhn, Alpenschneehuhn, Rebhuhn, Fasan

Seitenverhältnis der Hauptinhalte

  • Erklärungen, Überichten: 6 Seiten
  • Säugetier-Spuren: 18 Seiten
  • Vogelspuren: 8 Seiten
  • Fraßspuren: 26 Seiten
  • Fraßspuren: 12 Seiten
  • Gewölle: 8 Seiten
  • Losungen: 12 Seiten
  • Baue und Nester: 38 Seiten

Wildwechsel, Pässe, etc.

ist in diesem Buch nullkommazero angeführt

Fraßspuren

Bei den Säugetieren: kurz, knackig, gut – bei zum Beispiel Nagerspuren an Nüssen könnten einzelne Zeichnungen die Aussagekraft verstärken.

Bei den Vögeln: Alles Klassiker, die sicherlich zu Aha-Erlebnissen führen, völlig ausreichend

andere: 6 Seiten mit Buchdrucker, Spinner, Motte und Schnecke … naja … auf Kosten der Trittsiegel

Kot und Gewölle


Gewölle: die Überraschung in diesem Buch – solch eine Sammlung findet sich sogar in dezitierten Vogelbüchern selten – well done! Wenn schon so ausführlich, dann hätte vielleicht noch das Sezieren von Gewöllen Platz gefunden…

Kot: gelungen! Reh und Hirsch hätten vielleicht noch mehr Raum bekommen können, hier gibt es weit mehr, leicht und oft auffindbare, jahreszeitliche Variationen.

Baue, Nester, Verstecke

Allgemein – toller Umfang! Texte auf die Essenz reduziert, gefällt mir. 

Wieder eine Überraschung – die Vogel-Abteilung! So viele Fotografien verschiedenster Vogelnester findet man in den meisten günstige Vogelbestimmungsbüchern nicht!

Weitere Spuren

Gallwespen, ein paar Spinne, eine Doppel-Halbseite Waldameisenhaufen (also auch hier wenn schon, dann mehr oder weglassen), dafür kein Frosch-/Kröten-/Unkenlaich. Gefege und noch einiges mehr

Begriffserklärung

46 Begriffe werden nochmals knapp erläutert


Fazit

Ausgehend von dem Cover eine Enttäuschung. Für jemanden der Spuren, also Trittsiegel und Fährten entziffern möchte – und auch mal ein positives Bestimmungs-Erlebnis dabei haben möchte – der wird mit dem Gebotenen keine Freude, da keine Chance haben. Hier ist Frust vorprogrammiert. Nur 26 von 192 Seiten befassen sich mit Trittsiegeln.

Das führt aber auch zum Positiven. Wenn man hier den Anspruch des ultimativen Fährtenleser-Machwerkes beiseite lässt – dann hat man ein super kompaktes Büchlein, das eine tolle Hilfe beim Naturrätsel-Lösen ist. Hier wird es definitiv viele Aha-Erlebnisse geben.

Ein Buch mit diesen Abmessungen und diesem Umfang – und noch dazu dann wiederum mit dieser thematischen Breite, kann und will vielleicht gar nicht allzu sher in die Tiefe gehen. Das ist ok so und hat dadurch wiederum einen anderen Vorteil: die Lesehäppchen sind leicht verdaubar und leicht zugänglich. Und das Buch ist ob der Größe vielleicht wirklich bei jedem Walk mit dabei.

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: BLV Buchverlag; Auflage: 9., Auflage, Neuausgabe (1. September 2010)
ISBN-10: 3835406868
Größe und/oder Gewicht: 13,3 x 1,8 x 19,5 cm

Preis: 9,90 EUR

http://amzn.to/1NZIx17

Was das Buch verspricht:

Spuren und Fährten unserer Tiere, Inhaltsverzeichnis

Der Titel, natürlich groß und mächtig am unteren Rand des Covers, verspricht gemeinsam mit einem formatfüllendenden Spurengewirr in winterlicher Umgebung natürlich eines ganz deutlich: hier sollten jede Menge sachdienliche Hinweise zum Spurenlesen zu finden sein! Unscheinbar aber doch auch ein rundes Banner: Trittsiegeln, Fraßspuren, Gewölle, Kotspuren, Wohnbauten. Ob das Verhältnis im Inneren auch so aussieht wie am Cover?

„… denn wer Tierspuren finden und deuten kann, lernt viele Verhaltensweisen der Tiere kennen. Er kann deshalb auch eher Rücksicht auf die Bedürfnisse der Wildtiere nehmen, als jemand, der blind durch Wald un Flur läuft.“

„Dieses kompakte Bestimmungsbuch ermöglicht ihnen, anhand von Spuren und Fährten herauszufinden, welche Tierart jeweils am Werke war.“

Trittsiegel, Pfoten/Hufe, Entstehung einer Spur bzw. Fährte

Gleich zu Beginn ist auf nur einer einzigen Seite alles zusammengefasst, was es an Essenz zu vermitteln gibt. Wie sind Pfoten, wie Hufe aufgebaut. Was sind die Ballen, was ein Sohlengänger, was ein Zehengänger, wie spreizen sich die Schalen etc. Wirklich – alles auf etwas mehr als einer Seite zusammengefasst mit zwei Fotos und einer Skizze. Klar könnte es mehr sein, aber das ist ja schon mal was, womit man was anfangen kann.

Gangarten

Leider finden sich keinerlei Bewegungsskizzen, wie es zu unterschiedlichen Spurenbildern kommt. Ein wenig Text erwähnt Trab, Gang und Galopp – zwar technisch richtig und auf den Punkt gebracht, aber ohne Bild dazu wird man sich´s nicht vorstellen können. Bei den einzelnen Tierarten finden sich dann allerdings immer wieder konkrete Hinweise auf die Gangarten und wie das dann aussieht. Und genau da kommen auch unterschiedlich eingefärbte Vorder- bzw. Hinterfuß-Abdrücke zum Einsatz – was das Ganze deutlich anschaulicher macht!

Diagonalgang und Passgang finden überhaupt keine Erwähnung, Sprung und Galopp bei den üblichen Verdächtigen, aber ohne nähere Beschreibung und Skizze bleibt man im Dunkeln.

Gebrauch des Buches, Abmessen der Trittsiegel und Settings

Gleich zu Beginn gibt es einen etwa 1 1/2 seitigen Abschnitt über den Gebrauch des Buches. Inklusive Messmethode Hufe und Pfoten (Krallen!). Und dem Hinweis, dass Trittsiegel bei Schnee und Matsch oft größer erscheinen, und bei harten Untergrund oft nur Teile sichtbar sind. Ein veranschaulichendes Bild wäre noch fein, vielleicht sogar mit dem Vermerk, dass man am Boden der Spur misst – aber die Info ist da!

Die Schrittlängendefinition findet sich in der Begriffserklärung …

Übersichtliche Abbildung der Pfoten/Hufe

Nicht zu finden

Einzelne Arten

Spuren & Fährten unserer Tiere, Tierarten

Auf jeder Doppelseite finden sich rechts die Trittsiegel-/Fährtenbilder und links die Beschreibungen. Die Anzahl schwankt zwischen 2 (Reh, Gemse, etc) und 4 Artenbeschreibungen (Vögel, Marderartige). 

Die Bilder sind von guter Qualität und generell gut gewählt, viel bringt man nicht unter auf dem wenigen Platz.

Auf der Textseite findet sich eine Zeichnung eines einzelnen Trittsiegels, manchmal auch vom vorderen und hinteren.

Im Text ist kompakt und in wenigen Zeilen das Wichigste verpackt. Inkl. Größenangaben der einzelnen Trittsiegel, zumeist auch die Schrittlängen unterschiedlicher Gangarten. 

Viel Raum bekommen auch die Mausspuren – eine ganze Doppelseite! 

Kuriosa

Nein

Artenumfang Trittsiegel

Säugetiere:

Elch, Ren, Rothirsch, Damhirsch, Reh (könnte wie Hirsch eventuell ausführlicher sein), Gemse, Wildschwein (sehr gutes Bild), Hausrind, Hauspferd, Haushund, Fuchs (eine Unterscheidungsskizze fehlt – im Text steht´s aber), Steinmarder, Baummarder, Hermelin, Iltis, Dachs, Fischotter, Waschbär, Braunbär, Hauskatze, Luchs, Feldhase, Wildkaninchen, Eichhörnchen, Bisamratte, Mäuse

Vögel:

Enten, Gänse, Bläßhuhn, Weißstorch, Graureiher, Kiebitz, Bekassine, Alpenschneehuhn, Rebhuhn, Fasan, Amsel, Feldlerche, Rabenkrähe

Seitenverhältnis der Hauptinhalte

  • Erklärungen, Übersichten: 12 Seiten
  • Säugetier-Spuren: 22 Seiten
  • Vogelspuren: 8 Seiten
  • Fraßspuren alle: 22 Seiten
  • Gewölle: 4 Seiten
  • Losungen: 18 Seiten
  • Baue und Nester: 24 Seiten

Wildwechsel, Pässe, etc.

Hierfür hat man in diesem Buch keinen Platz gefunden.

Fraßspuren

Tolle Fotos, sehr gute Beschreibungen, mehr kann man nicht wünschen. Es kommt alles punktgenau rüber. Außer mehr Inhalt, aber es soll ja ein handliches Buch bleiben. Vielleicht statt der paar Federnseiten, noch mehr Rupfungen? Oder .. ?

Kot und Gewölle

Spuren & Fährten unserer Tiere

Auch hier gut gewählte Bilder und reichlich Text – im Ernst, eine ganze Seite betreffend Fuchs-Losung!

Detto bei den Gewöllen! Was mir sehr gefällt, ist, daß hier eine Anleitung zum Gewölle-Analysieren motiviert. Sogar eine Seite Schädelchen-Zeichnungen gibt es!

Baue, Nester, Verstecke

Die Beschreibung und Skizzen sind sehr gut, knapp und auf den Punkt. Die Bilder von guter Qualität, ab und an hätte man vielleicht ein anderes wählen können. Maulwurf und Wühlmaushügel unterscheiden oder ähnliches.Schön dass es Haselmaus und Bilch in die Auswahl gebracht haben. Vogelnester sind ebenso zu finden, die Auswahl ist gering – hier könnte man eventuell auch für anderen Inhalt verzichten.

Weitere Spuren

Andere Tierarten sind wenig vertreten – Kohlweissling, Buchdrucker – die üblichen Verdächtigen eben. Auch hier wäre die Überlegung vielleicht anstattdessen noch fokussierter in´s Trittsiegel-Thema zu gehen.

Begriffserklärung

63 Begriffe

Fazit

Auch hier nimmt einen Großteil des Büchleins die Welt der weiteren Spuren und Zeichen ein, nur ein Teil widmet sich dem eigentlichen Fährtenlesen. Aber dieser Inhalt ist für den Umfang und die Abmessungen des Buches außergewöhnlich geschickt ausgewählt und prägnant beschrieben. 

Natürlich wird es auch hier schwierig, sofort den Einstieg in die Welt des Spurenlesens zu finden. Aber wenn ich jemand sage, er braucht ein Buch mit beim Spurenlesen, dann hat er hier definitiv eines, dass was taugt! Die essentiellen Dinge sind vorhanden, auch wenn ich für den einen oder anderen Inhalt, der mir scheint halt dabeisein zu müssen, noch mehr Tiefe betreffend Tracking eintauschen würde – und dann wäre das Buch sowieso der Überknaller! Vergleichsweise wenig Naturführer für wenig Geld. Vergleichsweise viel Spurenlesen für wenig Geld. 

Zurück