Martin Fürst mit Spurenlesebüchern der Mittelklasse

von Martin Fürst,

Spurenlesebücher - die Mittelklasse

Zweiter Teil der Rezensionsserie über Spurenlesebücher. 9 sind am Start und heute sind zwei im mittleren Preissegment dran, also so um die 15,- EUR. Auch hier wird viel versprochen, aber welches Buch ist tatsächlich ein brauchbares, ja vielleicht sogar außergewöhnliches Spurenlesebuch?

Ich habe insgesamt 9 Spurenlesebücher, die Anfang 2016 am deutsprachigen Markt erhältlich sind, einem intensiven Test und einer knallharten Bewertung unterzogen. Diese 9 Bücher habe ich wegen der umfangreichen Rezensionen in drei Gruppen eingeteilt:

  • Günstig, um die 10,- EUR
  • Mittelpreisig, um die 15,- EUR
  • Hochpreisig, ab 20,- EUR

Hier findest du den ersten Teil über die drei günstigsten Bücher

In diesem Blog bewerte ich die 2 mittelpreisigen Testkandidaten.

Und das sollen gute Spurenlese-Bücher sein?

Spurenlesebücher der Mittelklasse

Los geht´s !

Welche Tierspur ist das?

Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Franckh Kosmos Verlag; Auflage: 2 (10. Juni 2010)
ISBN-10: 3440125424
Größe und/oder Gewicht: 11,3 x 1,5 x 18,7 cm

Preis: 12,95 EUR

http://amzn.to/1VBKmG6

Was das Buch verspricht:

Welche Tierspur ist das?

Ein Baummarder der neugierig in die Kamera lugt, und sogar ein Trittsiegel .. . und das Versprechen, 125 Spuren und wer sie hinterlässt im Inneren zu finden.

"umfassend: die 125 wichtigsten Tierspuren"

"vielseitig: Trittspuren, Fraßspuren, Gewölle, Eier, Nester"

"die tierischen Spurenleger im Porträt"

"sicher bestimmen: mit 260 Farbfotos und Farbcode"

"Ein Naturführer für unterwegs"

Trittsiegel, Pfoten/Hufe, Entstehung einer Spur bzw. Fährte

Erst auf Seite 42 findet sich ein Einleitung was de facto Spurenlesen betrifft. Alles perfekt erklärt – inklusive Inspiration zum Spurenausgießen!

Gangarten

20 Zeilen, kein Bild, keine Zeichnung. So bleibt Spurenlesen beim Trittsiegel-Identifizieren, mehr nicht. Schade!

Gebrauch des Buches, Abmessen der Trittsiegel und Settings

Betreffend Trittsiegel: Warum und wieso ist nicht erklärt, dafür aber wie man das bei Schalen und Pfoten macht. Kurz, knapp, ok.

Schrittlänge, Schränken etc. findet keine Erklärung, die Begriffe finden sich dann aber in der Artenbeschreibung. Wenn man dann dort damit nix anfangen kann, hat man Pech gehabt.

Übersichtliche Abbildungen der Pfoten/Hufe

Gibt es nicht

Einzelne Arten

Welche Tierspur ist das, Tierarten

Jede Art bekommt in der Regel eine ganze Seite. Ein gutes Drittel davon nimmt ein Bild eines einzelnen Trittsiegels oder eines typische Spurbildes ein. Dazu noch ein Foto des Tieres ca.5x5cm. Da bleibt natürlich nicht mehr viel Platz. Im Text selbst findet sich meist die Essenz: Länge/Breite des einzelnen Abdruckes, welche Gangarten zumeist gewählt werden und oft auf welche Schrittlängen (es fehlen weitere Erklärungen). Zusätzlich ein Verweis auf weitere Spuren wenn vorhanden im Buch.

Es fehlt meiner Meinung nach neben dem einen Foto noch eine Skizze eines Abdruckes und vielleicht die Pfote selbst … aber der Platz, ich weiss.

Kuriosa

Artenumfang Trittsiegel

Säugetiere

Rothirsch, Reh, Wildschwein, Haus/Wildkatze, Fuchs, Dachs, Stein/Baummarder, Fischotter, Feldhase, Eichhörnchen

Vögel

Stockente, Teichhuhn, Graureiher, Amsel,

Seitenverhältnis der Hauptinhalte

  • Erklärungen, Übersichten: 16 Seiten
  • Säugetier-Spuren: 10 Seiten
  • Vogelspuren: 4 Seiten
  • Fraßspuren alle: 24 Seiten
  • Gewölle: 6 Seiten
  • Losungen: 6 Seiten
  • Baue und Nester: 32 Seiten
  • Sonstige Spuren: 26

Wildwechsel, Pässe, etc.

Nicht erwähnt

Fraßspuren

Sehr ausführlich. Eine Seite pro Art/Ereignis. Von Schwarzspecht, Singdrossel über Habicht und Biber bis hin zu Nussrüssler und Eichenbock. Bei Mäusen und anderen Knabberern könnte es mehr sein. Auch Schälungen von Reh und andere Rinden-Frassspuren fehlen. 

Kot und Gewölle

Gewölle in einem eigenen Kapitel inkl. Graureiher und Sturmmöwe. Die Losungsammlung ist umfangreich, die Bilder halt schon arg klein … im Text mit kurzer Beschreibung und Größenangabe.

Baue, Nester Verstecke

Gleich eingangs und sehr umfangreich. Gut gewählte Fotos und Texte.

Weitere Spuren

Welche Tierspur ist das?

Häutungen, Libellen, Laich, etc – da sind Aha-Erlebnisse vorprogrammiert! 

Und Vogeleier !! 54 Vogeleier-Zeichnungen! Genial! Allerdings ob das die Originalgröße ist, oder .. es bleibt ein Geheimnis.

Begriffserklärung

45 Begriffe

Fazit

Das Buch will ja laut Klappentext ein umfangreicher Naturführer sein. Und das ist es auch! Es ist keine tiefgehende Enzyklopädie, aber ein sehr inspirierendes kleines Büchlein, ideal auch zum Mitnehmen. Der für FährtenleserInnen relevante Teil ist – vom Unfang her ein Witz. Das was an Erklärungen und Inhalt geboten wird, aber fachlich korrekt und auf den Punkt runtergebrannt. 

Der Teil reiht sich als Abrundung zum restlichen Spektrum perfekt ein, als alleiniges Spurenlese-Buch ist es dennoch nicht zu empfehlen, da ist einfach viel zu wenig drinnen! Bemüht, aber zu wenig.

Fährten, Spuren und Geläufe

Broschiert: 160 Seiten
Verlag: Neumann-Neudamm Melsungen; Auflage: 2. Auflage. (1. März 2014)
ISBN-10: 3788816406
Größe und/oder Gewicht: 21 x 1,5 x 19 cm

Preis: 14,90 EUR

http://amzn.to/1m5eYnd

Was das Buch verspricht:

Fährten, Spuren und Geläufe, Inhaltsverzeichnis

Das Cover outet sich als Praxisbuch über Zeichen und Anwesenheit  von Wildtieren – das gewählte Bild zeigt ein wunderschönes, sich scharf abzeichnendes Trittsiegel eines Schalenwildes. Der Klappentext zeigt eindeutig an wen sich das Buch richtet – an jagdlich interessierte Mitmenschen.

„In diesem Buch werden Fährten, Spuren, Geläufe und soweit möglich Losungen der wichtigsten jagdbaren und geschützten Wildtierarten Mitteleuropas in Form von Zeichnungen dargestellt und die Hauptmerkmale eingehend beschrieben.“

„Der erfahrene Jäger wird dieses kompakte Praxisbuch immer wieder gerne als umfassende Übersicht nutzen. Dem Jungjäger vermittelt das bewährte Standardwerk leicht verständlich jagdliches Grundwissen für erfolgreiches Beobachten, Ansprechen und Bejagen.“

Trittsiegel, Pfoten/Hufe, Entstehung einer Spur bzw. Fährte

In einer gelungenen Einleitung finden sich Bilder und Erläuterungen zu Sohlen- und Zehengängern, zu Schalen- und Vogeltritten. Besonders anschaulich ist das auch direkt bei den Fährten des Schalenwildes gelungen, das gibt es reichlich Zeichnungen wie das „Profil“ der einzelnen Arten so aussieht.

Gangarten

Schnüren und Schränken ist aufgezeichnet, Schleichen, gehen, Nageln, Galoppieren etc. in der Einleitung erwähnt. Bei diversen Arten ist dann direkt mehr angeführt – und das, vor allem beim Schalenwild, in einer Tiefe, die ich sonst in keinem deutschsprachigem Buch gefunden habe. Man darf sich nur nicht von der jagdlichen Sprache abschrecken lassen …

Gebrauch des Buches, Abmessen der Trittsiegel und Settings

Eingangs ist hier nicht zu finden, sehr wohl dann aber direkt bei den einzelnen Arten. Sehr gut angeführt bei allen Schalenwild und Federwild. Meines Erachtens nach nicht ausreichend geklärt beim Haarraubwild. Ob jetzt mit oder ohne Krallen … und das führt sicher zu Diskrepanzen wenn man mit anderen Büchern arbeitet ..

Übersichtliche Abbildung der Pfoten/Hufe

Gibt es nicht wirklich. Der Umschlag hat so Innenklappen, da finden sich ein paar Zeichnungen von Wildnschwein, Reh und Hirsch.

Einzelne Arten

Fährten, Spuren und Geläufe, Tierarten

Vollkommen fokusiert auf Spuren, weitere Infos dienen zur Ergänzung und Erklärung. Und das ist sehr gut. Die Infos sind auf den Punkt. Sehr Schalenwildlastig – da aber mit beeindruckender Tiefe! Bei eben genannten oft mehrere Seiten pro Art, bei den anderen meist nur eine bis zwei. Mir gefällt, dass es die Regel ist, Pfotenunterseite und Trittsiegel abzubilden!

Kuriosa

Nein …

Artenumfang Trittsiegel

Schalenwild

Rotwild, Damwild, Muffelwild, Gamswild, Steinwild, Sikawild, Rehwild, Schwarzwild, Elchwild, Wisent

Haarraubwild

Braunbär, Wolf, Luchs (die ersten drei abgetrennt von den folgenden, warum auch immer), Fuchs, Dachs, Waschbär, Marderhund, Wildkatze, Fischotter, Baummarder, Steinmarder, Iltis, Mink, Hermelin, Mauswiesel,

Federwild

Großtrappe, Auerwild, Wildtruthuhn (auch die drei stehen extra), Fasan, Rebhuhn, Alpenschneehuhn, Birkwild, Haselwild, Wachtel, Schnepfe (!!!), Rabenkrähe, Kolkrabe, Kranich, Graureiher, Höckerschwan, Graugans, Stockente

Kleines Haarnutzwild

Hase, Kaninchen, Biber, Bisamratte, Murmeltier, Eichhörnchen, Igel, Rötelmaus, Waldwühlmaus

Seitenverhältnis der Hauptinhalte

Fährten, Spuren und Geläufe, Inhalte
  • Erklärungen, Übersichten: 13 Seiten
  • Säugetier-Spuren: 108 Seiten
  • Vogelspuren: 21 Seiten
  • Fraßspuren alle: 0 Seiten
  • Gewölle: 0 Seiten
  • Losungen: 0 Seiten
  • Baue und Nester: 0 Seiten

Wildwechsel, Pässe, etc.

Nicht erwähnt

Fraßspuren

Nicht erwähnt

Kot und Gewölle

Bei den meisten Arten in der Beschreibung mit dabei. Anfangs ein Übersichtskapitel.

Baue, Nester, Verstecke

Nein

Weitere Spuren

Nein

Begriffserklärung

53 spurenrelevante jagdliche Begriffe

Fazit

Jagd und Jadsprache sind für so manchen Naturliebhaber ein rotes Tuch, ein no-go. Wer es über diese Hürde schafft, findet eines der besten deutschsprachigen Spurenbücher am Markt! Es fokussiert vollkommen auf Trittsiegel und Fährten, weitgehend ohne auf die anderen Zeichen, die Tiere so in ihrem Alltag hinterlassen, einzugehen. Und das finde ich sehr wohltuend. 

Besonders empfehlenswert und wahrlich eine Klasse für sich ist es im Bereich des Schalenwildes. Bei den anderen Säugern gibt es meiner Meinung nach besseres, ohne es aber schlecht reden zu wollen! Fein auch, dass es so viele Vogelspuren ins Buch geschafft haben!

Wahrlich eine Empfehlung, wenn der Blutdruck bei all dem jagdlichen Kontext auf Normalniveau bleiben kann. Kein Naturführer – ein Spurenbuch!

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