von Martin Fürst,

Natur online - eine Fehlentwicklung?

Online-Kurse boomen - und auch ich bin seit kurzem mit einem Online-Kräuter-Kurs mit dabei. Also, als Veranstalter. Und das wirft neben Begeisterung auch Zweifel auf. Stimmen in mir, Stimmen rundherum. 

Zeit für eine Blick in Pandoras Box.

 

 

Was für eine prächtige Mondin, welche die letzte Nacht erhellt hat!
 
Immer wieder lasse ich mich faszinieren von diesen krassen Gegensätzen des natürlichen Alltages und Allnachtes. Mal ist Neumond und du siehst nächtens nicht einmal die Hand vor Augen (diese Plätze sind rar geworden bei uns) und mal leuchtet das große Stadion-Flutlicht vom Himmel und macht Schatten wo sonst nur monochrome Düsternis herrscht.
 
-> Nimmst du dir manchmal Zeit, in eben solchen Nächten rauszugehen, ein wenig herumzustreunen und dich in dem sanften Licht zu baden. Und ein wenig rumzuheulen xD ?
 
 

Zwei Punkt Null

Seit einigen Wochen läuft mein allererster Online-Kurs. Also nicht als Teilnehmer. Sondern als Anbieter bzw. Veranstalter - wie nennt man das übrigens? ... klingt beides eigen in diesem Kontext ...
 
Auf der einen Seite bin ich hoch erfreut über den erquickenden Zuspruch, der sowohl finanziell, ähnlich der Mondin Licht ins Dunkel brachte, aber auch zwischenmenschlich mit balsamischem Feedback einher kam.
Mit dem Online-Kurs “Wilde Frühjahrs-Kräuter” und dem damit als Funding-Angebot verknüpften e-Mentoring, habe ich anscheinend in eine zeitgemäße Kerbe gehauen.
 
Aber es tun sich ein paar Kontroversen auf. Nach Lehrmeinung sollte ich wohl besser den Mantel des Schweigens darüber werfen - abkassieren und aus. Es ist aber jetztnt folgendes bitte:
 
 

Findet Naturverbindung bald nur mehr online statt?

 

Alle sitzen hinter ihren Devices und keiner ist mehr wirklich draussen?

Diese Tendenzen sind für mich spürbar. Es ist bequem. Und es fühlt sich so wichtig-richtig an. Ein bisserl wie für Greenpeace-Spenden oder eine Avaaz-Petition unterschreiben.
 
Es muss nicht unangenehm werden. Heimelige Komfortzone. Gefühle denken. Kein Frösteln, kein Picksen, kein Surren, kein Sonnenbrand.
 
Kein Auseinandersetzen mit Konsequenzen. Weder mit Wetter, noch mit mir noch mit anderen Menschen.
 
Allerdings gilt das auch für Bücher, Zeitschriften, Youtube-Videos, Podcasts .....
 
 

Alle Möglichkeiten offen in jedem Moment

Wenn ich es näher betrachte, entdecke ich hier ein interessantes Phänomen, das mich aufmerken lässt.
 
24/7 Zugriff haben auf alles was mich interessiert und auf alles was ich eventuell in einem zukünftigen Moment einmal brauchen könnte, wenn ich es wollen würden täte. Dann. Sofort. Und ohne Barriere.
 
Das ist mit Wikipedia, den Öffnungszeiten vom Eisgeschäft, den Online-Shops, Video-on-demand und vielen anderen modernen Erscheinungen so. Was da los ist, wenn ich diese virtuelle Freiheit für 30 Minuten nicht parat habe - wie ich mich da gleich beschnitten und eingeschränkt fühle. Oh - ich bin so aufgewachsen .... irgendwie arm, oder?
 
Ich finde diese Möglichkeiten so großartig - es ist ein Geschenk. Aber es hat auch seine Fallstricke.
 
Zum Beispiel, wenn ich die Möglichkeiten nur mehr sammle und um mich horte, ohne von ihnen Gebrauch zu machen. Also es reicht schon, die Möglichkeit zu haben. Aber ich nutze es nicht aus. Aber ich könnte wenn ich wollte. Jederzeit.
 
Das ist uns viel wert geworden. Diese Form des Freiheitsgefühls.
 
Und wir jagen und sammeln weiter. Status. Prestige. Möglichkeiten.
 
 

Irgendwie Crowdfunding

Aufgefallen ist es mir nun, auf der anderen Seite des Onlinekurses, dass nur etwa 20% der zahlenden der Kurs-KundInnen auch wirklich konsumieren. Und noch weniger aktiv - etwa 10% - daran teilhaben.
 
80% haben die Möglichkeit erworben und diese wie ein Bestimmungsbuch ins Bücherregal gesteckt. Wenn, dann .. eh schon wissen.
 
Aber diese 80% ermöglichen den anderen 20% die aktive Form des Zugang, denn so finanziert sich das alles auch. Crowdfunding. Coyote-Style.
 
Für mich ist das ein gewisses Umdenken und mit einer adaptierten Bewertung verbunden. Denn wenn bei einem Live-Kurs von 10 TeilnehmerInnen 8 teilnahmslos rumhängen oder gar nicht mehr erscheinen, ist eine veritable Sinn-Krise meinerseits nur mehr einen Katzensprung entfernt.
 
 

Live vs Online

Da kommt noch ein Punkt ins Feld.
 
Abgesehen davon, dass Live immer noch ein “Mehr” an Teachings unbemerkt und unbewusst mitläuft (vielleicht sogar das Mehrste), abgesehen davon, dass Live am Lagerfeuer in der Natur genau diese verbindenden Momente als Gelegeheiten bereithält, abgesehen davon, dass die menschlichen Interaktionen so bereichernd sind ....
 
Live ist ein Rahmen da, der dich ins Handeln bringt. Hier ist Zeit reserviert und der Herdentrieb lässt dich mitgehen und dich mitreissen - wo du schon mal da bist, alle aufstehen und auf Kräuterwanderung gehen - ich bleib ja jetzt nicht allein da am Feuer sitzen. Es wird dir unbewusst bewusster, dass du hier aus einem Interesse heraus eine Selbst-Verpflichtung generiert hast - und du nun als Konsequenz so präsent wie möglich bist. Und tust.
Das ist daheim ungleich schwieriger. Hier das Commitment standhaft durchzuziehen, wo es doch keinen konsequenten Rahmen samt Konsequenz der Pro- oder Kontra-Entscheidung zu erfühlen und erwarten gilt.
 
Soll heissen, es ist einfach ein großes Maß an Selbst-Disziplin nötig, um dranzubleiben. Denn unsere Leben sind busy. Die Prioritäten wechseln wie bei Tetris.
 
 

Das sind wir wieder beim Anfang

Es ist möglich, Naturverbindung online zu vertiefen. Es ist nicht das Medium (ein inspirierendes Buch ist das auch), sondern unser Versprechen, unsere Disziplin, die uns dorthin bringt, wo überprüft, geforscht, erlebt wird.
 
Und das ist in diesem Fall draussen. Ausserhalb der Komfortzone.
 
Inspiration ist nicht genug.
 
 
 
-> Wie siehst du das?
Ich freu mich über deine Gedanken zu diesem Thema!
 
 
 

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