von Martin Fürst,

Familie ist eine Bedrohung, ist sie nicht?

Familie ist ein Auslaufmodell. Mühsam, im Weg, keine Zeit. Wir geben ab. Immer mehr. Und wir experimentieren. Ok. Das muss so. Aber was nun? Wohin jetzt? Und für wen eigentlich?

Weil ... wofür sind wir denn hier?

Patriachale Machtausübung am Esstisch, gezwungene Happy-Päppi-Geburtstags-Treffen mit Menschen, denen man “im normalen” Leben nie auch nur länger als für ein flüchtig gerauntes “Grüß Gott” begegnen wollen würde. Klatsch und Tratsch schön und gut, aber erlebter Narzissmus und fragwürdig schizophrene Persönlichkeits-Bühnen ohne Fluchtmöglichkeit erdulden müssen?
 
Quengelnde Lästwanzen - also Kinder - und die 1000ste Geschichte aus dem Krieg (bald kann das eh keiner mehr). Nachdenken über ein sinnloses Geschenk, dass zumindest den Anschein von Sympathie erweckt und gleichsam bemühte Dankbarkeit zeigen für den vierten Kratzpullover in Folge.
 
Sicher nicht! Nicht mit mir!
 
Mit dir auch nicht?
 
 
Nun, manchmal sieht es so aus, als wäre Familie einfach ein Auslauf-Modell. Zumindest die klassische “Liebe Familie”. Kennst du noch diese Sendereihe des ORF? 13 Jahre lang lief dieses Stegreif-Format mit Alltags-Geschichten um den Sektionsschef Franz Lafite. 80er Jahre - wir sind Mittelklasse - wir haben es geschafft - Stil.
Die Befreiung aus solch nervigen, verkrusteten Strukturen - vielleicht einfach ein logischer Schritt. Vielleicht notwendig.
 
 
Aus einem gewissen Winkel betrachtet haben wir da schon was hingelegt - als wir West-Industriestaatler. Von Clans und Stämmen zu Großfamilien zu Kleinfamilien zu Patchworkfamilien zu Tinder und Co.
Genauso hat das Gefühl der Freiheit und Individualitität eine noch nicht absehbare Hochschaubahn hinter sich bzw. wir sind mitten drinnen im “Ride”. Von - wir können nur vermuten wie es war - bis zu Patriachat, Emanzipation und formulierte Menschen-, Frauen und Kinder-Rechte.
Keine Frage: es ist kompliziert.
Auch keine Frage: Auf beiden obigen Wegen, haben wir viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Oder hätten gewinnen können.
Mich erinnert es ein wenig an die Jugend. Also nicht persönlich oder Epochen-mäßig, sondern so Muster-mäßig. Sturm, Drang, hinterfragen, neue Wege gehen, Krusten aufbrechen.
 
 
Aber da stellt sich dann schon die Frage. Was ist die Essenz? Und was mach ma jetzt damit?
 
 
Denn irgendwo muss sich auch irgendwann wieder etwas ausrichten. Auf die Bedürfnisse und auf die Essenzen, genährt von den Erfahrungen. Für die Zukunft. Nur Chaos und Hättiwaritaterti für die nächsten Generationen?
 
 
Was sind unsere Werte? Was ist uns wirklich wirklich wichtig? Welche Prioritäten setzen wir in dieser Liste?
 
 
Und worauf fokussieren wir uns beim “Wirklich-Wirklich-Wichtig”?
Auf uns? Unsere Bedürfnisse? Oder unsere Wünsche und Sehnsüchte? Oder auf unsere Ideen und Eingebungen? Unsere Stimmungen und Launen?
Und auf welches uns? Ist da überhaupt ein uns? Oder nur ein ICH?
 
 
Oder fokussieren wir uns auf die nächsten Generationen?
 
Dann stellen wir uns vielleicht andere Fragen. Denn was brauchen diese? Für eine lebenswertes Umfeld, in dem sich jeder in bedeutsamer Freude und Glück in ein gelingendes Leben entwickeln und hinein-gestalten kann.
Was gibt Orientierung, Sicherheit und Vertrauen? Was fördert dieses Wachsen, nicht nur auf der einseitigen logischen Ebene?
 
 
Vielleicht wird die Familie der Zukunft anders aussehen. Anders auszusehen haben. Aber die Essenz ist bedeutungsvolle Verbindung, Liebe, Vertrauen, Ermutigung, Raum, Grenzen, Zuhören, Sein ....
 
... ein “wir-begegnen-uns-gerne”.
 
 
Was sind deine Bedürfnisse und Sehnsüchte?
Was sind die der nächsten 7 Generationen?
Wie gestalten wir gemeinsam diesen Raum der Möglichkeiten?
 
 
Es ist simpel.
Aber nicht einfach.
 
Weil ... wofür sind wir denn hier?
 
 

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