von Martin Fürst,

Digitaler Sonnenuntergang

Einfache aber geniale Möglichkeit jeden Tag ein wenig zu Web-detoxen und dabei Raum für Begegnung und Verbindung zu schaffen.

 
Es ist durchaus offensichtlich - wir befinden uns hirntechnisch wohl in einer der herausfordernderen Zeiten der Menschheitsgeschichte. Ein Mitgrund und Vorantreiber der neuzeitlichen Spiegelneuronen-Eruptionen ist das allgegenwärtige, omnipräsente Internet. Mit seinen nach Aufmerksamkeit heischenden Applikationen wie die Sozialen Netzwerke und das 24/7 Mailpostfach.

Kein Rant

Keine Sorge, das soll keine Feuerstein-Salve eines Ewiggestrigen gegen Handy, Web und Co sein.
Ich bin ein Hineingeborener der Generation vor den Digital Natives, habe also das Privileg, lebendige Erinnerungen an die Zeit vor der digitalen Vernetzung abrufen zu können.
Gleichermaßen war ich aber auch jugendlich genug, um den Siegeszug des PCs und dazugehöriger Betriebssysteme, Handys und des magischen WWWs von Stunde Null mitzuerleben und mir kulturell überzustreifen.
 
Unsere elektronische Vernetzung schafft nämlich auch einen Rahmen für ein globales Bewusstsein. Beziehungen und Kontakte über die Grenzen hinweg können das Leben für alle auf diesem Erdball wertvoller werden lassen. Es wäre durchaus möglich, hier das Leben anderer begreiflicher werden zu lassen und mehr Verständnis für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der globalen Vielfalt reifen zu lassen.

Aber es stimmt was nicht

Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich unser Reptilienhirn und unser wilder Kern noch nicht ganz an die neuen Eindrücke und deren Verarbeitung adaptiert haben. Und zwar auf eine gesunde Art und Weise.
Denn in den letzten 20 Jahren ist der Input auf unsere Aufmerksamkeit, unsere Informations-Verarbeitungs-Leitstelle uns unsere Entscheidungszentrale exponentiell gestiegen.
„Gerade in diesem Moment, arbeite ich und verwende dafür das Internet. Und in Gedanken, da bin ich bereits zuhause - und surfe im Internet.“
Ein lustiger Ausspruch, auf den ersten Blick.

Mit unserer Aufmerksamkeit

Aber was dahinter diabolisch hervorgrient, ist der Umstand, dass das ständig verfügbare Internet und seine Applikationen unsere Aufmerksamkeit einerseits packt und in den Bann zieht, aber diese dann auch gleichermaßen wieder auseinandersprengt.
Und das betrifft nicht nur diejenigen, die mit ADS, also dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom diagnostiziert wurden. Sondern, wenn wir uns ganz ehrlich sind beim In-den-Spiegel-schauen, fast alle unserer Gesellschaft.

Und den Connections

Nun, es wäre ja alles halb so wild, und deiner und meiner Zeit, schreibend und lesend, nicht wert, wenn da nicht diese eine nicht wegzuwischende Tatsache bestünde. Die Qualität unseres Lebens misst sich an der Qualität und Bedeutung unserer Verbindungen und Kontakte.
Und genau dafür braucht es hingebungsvollere Arten der Aufmerksamkeit. Gegenüber den Mitmenschen, unserer Selbst und auch der Natur, zu der wir schlussendlich gehören.
 
Fokussiertes Zuhören, die Wahrheit in der Stille lauschen können, ganzheitliches Wahrnehmen und Präsenz. Anteilnahme und Empathie, Observation und Intention - unsere Art der Verbindungsaufnahme und Stärkung ist feingeschliffen und vielgestaltig.
 
Und leidet, wenn wir unseren Hirnlappen und unserem Nervensystem nicht Auszeit gönnen.
 
Hier ein Vorschlag, wieder einmal abgeschaut aus der Natur.

Der digitale Sonnenuntergang

Wie wäre es denn, wenn du zu einer bestimmten Zeit, den Computer abdrehst, den Stecker ziehst und liest, spielst, tratschst.
Und noch viel wichtiger, denn ich weiss, Serien zu schauen ist einfach super zum Abschalten - da spricht ja nichts dagegen - viel wichtiger ist es , das Handy an einen Platz zu legen, wo du es erst wieder am nächsten Morgen aufgreifst.

Es ist sein „Wir sehen uns morgen“ - Platz.

Das könnte die ersten Tage schwer werden, aber auch befreiend. Denn nun hat dein System die Chance, sich zu ordnen, erholen und mal zu dir durchzudringen, was es wirklich wirklich braucht.
 
Zu welchem Zeitpunkt? Vielleicht ausgerichtet an die natürlichen Kreisläufe - mit Sonnenuntergang oder der Finsternis. Oder mit dem gesellschaftlichen Rahmen des gemeinsamen Abendessens … du wirst eine tolle Möglichkeit finden.
 
Mach es. Gleich heute. Gleich jetzt. Der „Wir sehen uns morgen“-Platz fürs Smartphone. Zum Sun-Downer. Gönn ihm die Pause.
 
Martin Fürst
Leiter der Natur- und Wildnisschule Nawisho
“Lebe dein Natur!”

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